Der Unterschied zwischen Klettern und Tennis

Habt Ihr Euch mal die Unterschiede von Klettern und Tennis vor Augen geführt? Nicht? Kein Wunder, warum auch. Aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen habe ich es dennoch neulich getan. Das war irgendwie gleich lustig, wie lehrreich, daher will ich es einmal aufschreiben.

Wer schon mal versucht hat eine 12er Hexe mit einem Schläger der Boris Becker Edition von 1985 über das Netz so kloppen, wer schon mal korrekt eingebunden mit Gurt, Rucksack und Steigeisen, aber mit Schläger und Filzball bewaffnet für Irritationen auf dem umgepflügten, roten Grandplatz sorgte -, wer schon mal erwartungsvoll vor dem W7 Eisfall stand, mit zwei großen, breitrahmigen Tennisschläger in beiden Händen und sich fragte, was hier gerade schief läuft, wer schon mal mit weißen Schweißbändern an Stirn und Handgelenken in einer steilen Wand hängend… ach nee, das gab’s ja auch beim Klettern in den 80ziger, wer schon mal in einem elitären Tennis-Clubhaus eine Dose leckeren Nordseehering mit einem 4er Stopper ausgelöffelt hat und wem schon aufgefallen ist, dass der eigene Seilpartner nicht der Gegner ist, beim Rennen zum Gipfel – ja wer das alles auch schon selbst erlebt hat oder es sich zumindest vorstellen kann, der erkennt einige Unterschiede zwischen Klettern und Tennis.

Aber den einen, den vielleicht entscheidenen Unterschied zwischen Klettern und Tennis, den Unterschied, der erklärt warum wir, warum ich klettere und nicht etwa Tennis spiele – um den soll es hier eigentlich gehen:

Ich muss beichten.

Ich hab‘ auch eine Zeit lang Filzkugeln, keine Hexen, mit „Boris Becker Edition“-Schlägern übers Netz gedroschen. Aber es ist lange her! Sehr lange. Deutlich verjährt. Sünde frühster, verblendeter Jugend. Trotzdem erinnere ich mich ganz gut, wann Tennis so richtig Spaß gemacht hat – ich mein‘ für die Umstände, dass es Tennis war.

Das war eigentlich immer dann, wenn man den Ball exakt getroffen hat und er genau dort landete, wo er hin sollte. Und das ganze am besten viele Male hintereinander. Ich hab‘ noch genau dieses satte *FFUUMP* Geräusch im Ohr, wenn die Filzkugel den Rinderdarm knutscht und für Schubumkehr sorgt. Wie ein Lob für einen guten Schlag.

Vor ein paar Jahren hab‘ ich durch einen Zufall mal wieder einen Schläger in der Hand gehabt und einen Nachmittag diese gelben Kugeln gedroschen. Das hat mir keinen Spaß gemacht. Gar keinen!

Warum? Ich hab‘ die Dinger einfach nicht richtig getroffen! Sie sind nie in die von mir vorgesehene Richtung geflogen, immer war dieser blöde Rahmen des Schlägers im Weg, andauernd war ich zu langsam oder das Netz zu hoch! Es kam einfach kein Ballwechsel zustande. Kurzum, ich war schlecht, untrainiert und es war fürchterlich langweilig.

Beim Klettern ist das gerade ganz ähnlich. Da bin ich auch zur Zeit völlig untrainiert, schwach, ausdauerarm und treffe nur selten nach dem Dyno das Einfingerloch  – aber es macht trotzdem Spaß! Viel Spaß!

Es fällt mir immer wieder auf, bei mir, bei anderen: Klettern ist auf jedem Niveau schön, spannend und fordernd – eben im jeweiligen, persönlichen Leistungsspektrum und -limit. Die Erlebnisse, die Erfolge und die Befriedigung sind für einen 5er-Aspiranten oder nach einer langen Pause die gleichen, wie für den 9er Kletterer. Es sind die gleichen, dicken Arme, die man nach einem knappen Rotpunkt einer fordernden 6 oder einer fiesen 9 hat – es ist das gleiche, „tolle“ Gefühl jenseits der persönlichen Leistungsgrenze zu klettern und einen wackligen 2er Keil fünf Meter unter sich zu wissen.

Und das ist DER eigentliche Unterschied zwischen Hexe und Filzkugel:
Klettern ist niveaulos schön! Wenn man das so sagen kann…

Einzig die Vergangenheit – „das was mal ging“ und der spitze, eigene Ehrgeiz könnten ablenken vom Genuß.

Ich für meinen Fall mag Klettern und finde Tennis blöd! 🙂

Filzball aus… halt! Einen hab‘ ich noch:

Dem visuell verzogenen Leser ist sicher gleich das tolle Bild vom Eisklettennis aufgefallen.  Dafür an dieser Stelle ein ganz, ganz lieben Dank an Erbse! Obwohl er ÜBERHAUPT keine Zeit hatte,  ich  nicht mit Gold und Juwelen dienen konnte und eine Filzball-Flatrate auf Lebenszeit auch nicht in Frage kam, hat er trotzdem dieser kleinen Geschichte hier dieses tolle Bild geschenkt. Das hab‘ ich toll gefunden und finde es immer noch.

Ich hoffe euch gefällt das Bild auch und ihr habt ja sicherlich im Kleingedruckten gelesen, dass der Konsum dieses Bildes und der Geschichte zur Abnahme einer Filzball-Flatrate auf Lebenszeit -, sowie zum Erwerb von ganz vielen, tollen Comics von Erbse verpflichtet einläd.

Ach, und wer immernoch nicht genug (Bälle) hat, der kann es sich auf einem von Erbses nächsten, legendären Kletterkaberette so richtig geben lassen! Die  Termine findet ihr auf Erbses ziemlich niegelnagelneuer Webseite.

So, jetzt aber:  Seil aus!

5 Gedanken zu „Der Unterschied zwischen Klettern und Tennis&8220;

  1. Jawoll, Klettern rules!

    Ich stelle mir gerade vor, wie unsere Kletterjungs in Poloshirt auf dem Rasen stehen, und sich anfeuern: „Auf gehts! Geht schon! Zieh!“

    Da wäre selbst Monika Seles neidisch, wenn Chris S. den Aufschlag übers Netz deadpointet….

    Allerdings kann sich beim Tennis auch ein Flowerlebnis einstellen, wie von Dir ja so wunderschön beschrieben. Und die Suche nach dem „Flow“ macht doch irgendwie den Reiz bei jeder Sportart aus.

    Ich geh mir jetzt mal schnell ein Tennisröckchen kaufen….

  2. „Ich hab’ die Dinger einfach nicht richtig getroffen!“

    –> so ging es mir schon als 14 Jahr jung war und der Meinung meiner Eltern nach Tennisstar werden sollte….nach einem Monat habe ich mich dann geweigert überhaupt noch einen Schläger in die Hand zu nehmen..zum Glück waren mein erstes Klettererlebnis erfolgreicher… 🙂

  3. Du triffts den Nagel auf den Kopf!
    Ich hätte mir vor 20 Jahren zwar nicht vorstellen können, mich in 6ern oder 7ern zu verausgaben, tue das aber heute nach über 15 Jahren Pause und es macht Spaß.

  4. Cooler Beitrag, überhaupt Klettern und Tennis zu vergleichen ist ne lustige Idee 😉

    Ich habe eine Frage, nämlich blogge ich für Regiondo und bin derzeit am Aufbau vom Freizeitlexikon beschäftigt. Und da Klettern natürlich auch ein Thema in unserem Freizeitlexikon ist, frage ich mal, ob du Interesse hättest, einen Gastbeitrag übers Klettern für uns zu schreiben. Natürlich darfst du bei uns auch deinen Blog verlinken. Gerne kann ich dir auch nähere Infos geben. Würde mich freuen! 🙂

    liebe Grüße, Vanessa

  5. Tatsächlich „geiler“ Vergleich und gut geschrieben – hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ein dickes Like! 🙂

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