Löbejün 2010 – Trio mit Sonne

Das war ein schönes Wochenende!

Wikipedia sagt: „Die Sonnenwenden sind die Zeitpunkte, in denen die scheinbare geozentrische ekliptkale Länge der Sonne 90° oder 270° beträgt.“ Alles klar?? Ich würde sagen, die wirkliche  Sommersonnenwende findet feierlich jedes Jahr Ende Juni in Löbelün statt! Mit dabei viele tolle Klettermeter, jede Menge Sonne (dieses Jahr manchmal sogar zu wenig Schatten), viele Biere und Musik gepaart mit einer super Veranstaltungsplanung und tollen Freunden. Hört sich nach Spaß an, oder?

Wir sind mit Martin am frühen Freitagabend Richtung Halle gestartet und wurden bei unserem Tiefflug auf deutschen Autobahnen nur durch einen anfänglichen Stau im Stadtgebiet Hamburg eingebremst. Aber nicht derart, dass wir nicht noch vor der Dunkelheit etwas klettern konnten.

Für alle, die Löbejün nicht kennen, hier ein paar Stichworte. Nähe Halle an der Saale, Porphyrsteinbruch, Wände bis 40m, viel Leistenkletterei und an besagtem Wochenende Heimat der Sommersonnenwendfeier mit Spiel, Spaß und Musik von und für Kletterer.

Nach großem Begrüßungshallo (irgendwie waren „alle“ da…), galt es noch ganz schnell eine Tour vor der Dunkelheit zu klettern. Da der Kletterführer vergessen wurde, gestaltete sich die Routenfindung als kommunikatives Highlight. Neben der sehr netten und umsorgender Einführung eines „Lokels“, wurde leider aber auch ausgiebig die Kletterregel #2? (das mit dem Ungefragt-tipps-geben BEIM klettern…) verletzt. Wir konnten die Route (Godswana, IV) aber trotzdem genießen und waren natürlich heimlich auch dankbar für die väterliche Fürsorge. Danach wurde sich dann aber den leiblichen Genüssen am Feuer und Grill gewidmet. Es wurde gegessen, getrunken und viel gelacht!

Der Samstag begann mit Sonne pur, einem tollen Frühstück und noch tolleren Klettereien. Während die emsigen Festivalorganisatoren die Bühne für den Abend aufbauen, begannen wir die ersten Routen des Tages anzugehen. So starteten wir mit einer VIc, die wir für eine V gehalten hatten. Name wird nachgereicht. Topo vergessen ist ja das eine, aber einen geliehenden dann nicht lesen können ist das andere… ;). Auf jeden Fall wunderte ich mich irgendwo mittendrin, ob dem vermeintlichen Standard-5er hier im mittleren Osten. Trotzdem schöne Kletterei. Etwas weiter links daneben war die  Quantensprungschanze/VIIa, die uns gleich auf die kleinen Leisten hier einstimmen sollte. Leider war der begehrte Hangelmarathon/VIc immer besetzt (in der Wand durch min. eine Seilschaft und am Wandfuß ebenfalls durch min. eine anstehende Seilschaft). Daher wanden wir uns einem anderen Klassiker zu.

Die Himmelfahrt/VIIIa ist eine knapp 30m lange Kletterei, die einem guten Riss folgt und mir einen stolzen Onsight schenkte. Besonders die ersten 2 Haken nach dem Band waren etwas wackelig, obwohl mit einem mittleren Keil nachgebessert wurde,  aber insgesamt eine tolle Kletterei! Im allgemeinen ist die Sicherungssituation in Löbejün eigentlich ganz gut. In einfachem Gelände sollte man zwar besser nicht purzeln, da es dort meist auf dem Boden endet, aber die Hauptschwierigkeiten sind meist auch gut gesichert. Trotzdem ist klar, dass hier Sachsen näher ist als Südfrankreich, aber das ist auch gut so!

Drittfuß

Nach der Himmelfahrt ging es in Meister Proper/IXa, die mir aber selbst im Nachstieg nicht sauber gelang. Charakter: Fast nix greifen und auf noch mehr nix stehen. Trotzdem toll, wenn ich auch oben nach links in die Himmelfahrt gequert bin, was für mich die Hauptschwierigkeit der Route darstellte. Der Haken zwischen Himmelfahrt und Meister Proper war halt da… Offenes Projekt?

Danach wurde im Schatten Wunden geleckt und das große Kletterkino aus dem schattensicheren Tarp von Androsch beäugt. Spannend wars, aber sehr, sehr warm!

Einsteigsboulder

Am frühen Abend war die Sonne gewandert, die Schatten wurden länger und wir widmeten uns weiteren Leisten. Die Tohuwabohu/VIIb war eine tolle Sache, leider nur zu kurz: Blöcke, eine Kante und viele, kleine Leisten in einer erlesenen Mischung – nur Exen braucht man wenig…
Links daneben forderte eine anspruchsvolle VIIIa meine kompletten Sinne: Eine Route, die ich als drei aneinander gereihte Boulder empfunden habe, bei der  man nur nach dem ersten Boulder, dem Einstieg auf einem Band etwas Pause machen konnte. Auch eine tolle Route dessen Name ich noch in Erfahrung bringen werde.

Danach wagte sich Martin in eine alpin anmutende IVer Route, die augenscheinlich seinen Kopf um einiges mehr gefordert hat, als den Körper. Aber trotz einiger Anläufe und gutem Zureden (wir haben es später dann nochmal genau gelernt: „Gaaaaaaanz ruuuuhig. Das sieht guuuuuut aus. Gaaaaaaaaaanz ruuuhig.“ *g*) gelange auch er zum ersehnten Umlenker.

Bold(t)naseDen abendlichen Abschluß bildete die lange und eindrucksvolle Linie mit dem vielversprechenden Namen „Herjemine/VIIc“. Ich schlich einige Zeit unter ihr herum, nicht ganz sicher, ob ich das noch so als „dickes Ende“ des Tages machen sollte. Erster Haken sächsisch hoch. Dadrunter nur Leisten – da haben Keile+Friends schon Feierabend.

Doch alles halb so schlimm, denn der Haken ließ sich besser anklettern, als es zuerst den Anschein machte. Doch danach… HERJEMINE! Was für ein Zug… Komische 2-Fingerseitleiste mit Rechts. Links hinten eine Zange halb geklemmt, halb gestützt und hoooch angetreten und noch höööher hochgelangt. Zwerge sterben hier. Dann hoch zum zweiten Haken und nochmal etwas Gefummel (k.a. mehr wie) zum dritten. Danach die letzten 25m variantenreicher Genuß pur. Ein toller und würdiger Abschluß des Kletterteils am Samstag.

MusikufoNach der Pflicht folgte die Kür. Zuerst wurde flüssiger Verpflegungsnachschub besorgt, dann selbiger zuerst bei Peters Lesung, welche im Übrigen mal wieder ganz ausgezeichnet war, und später am Feuer vernichtet. Die Kapelle spielte, das Feuer brannte, der Met floß in Strömen… so oder so ähnlich wird es gewesen sein. Und es war lange…

Am nächsten Morgen hat Petrus den Heizregler noch etwas angezogen und so brutzelten die Eier nur wenig heißer in der Pfanne, wie die hungrige Mannschaft auf den Matten außen rum. Boah, war das heiß! Dazu muß man sagen, dass wir „oben“ gezeltet haben, also außerhalb des Steinbruchs, um dem Trubel in der Nacht etwas zu entgehen. Die Ruhe erkauften wir uns dafür mit einer wunderschönen, schattenlosen Wiese und nur einem Dixi-Klo.

Nach dem heißen Frühstück flüchteten wir in den Schatten unten im Steinbruch. Wir kletterten die im unteren Teil moralische und im oderen Teil alpine „Auf und los/V“, um in den „ersten Stock“ im linken Bereich der Wände zu kommen. Von dort gingen ein paar kürzere Routen weiter nach oben. Die „Kurze Rampe/IV“ ganz links entpuppte sich als eine tricky Einzelstelle. Martin faßte gut zusammen: „Schlüsselstelle V, Rest III macht im Durchschnitt wohl die IV“. Da bei allen Beteiligten die Vorstiegsmoral noch unter den Nachwehen der letzten Nacht litt, beschlossen wir die restlichen Routen nur mit Seil von oben zu klettern. Immerhin gelang so eine Begehung von dem „Weg der alten Männer/VIIIa“ OHNE linke Kante im oberen Teil, was den Anspruch ca. auf IXa hinaufschraubt. Die eigentlich sehr schöne Route „Die goldene Mitte/VIIc“ wurde sicher durch unseren Begehungsstil nicht hinreichend gewürdigt. Das es aber die richtige Entscheidung war, zeigte die Tatsache, dass ich bereits vor dem ersten Haken unvermittelt praktisch im rechten Winkel aus der Wand schoss. Keine Ahnung warum, aber gut dass das Seil in dem Moment von oben kam, sonst aua… Gesunde Selbsteinschätzung ist doch hin und wieder wirklich besser als ein täglichen Apfel und  3x Zähne putzen.

Interessenten

Trio im Kletterkino von Lübejün

Der Rest ist schnell erzählt: Sachen packen, Sachen schleppen, Autobahn (nicht einschlafen). Und 4:1 auf NDR Info. Wer hat eigentlich die Frau ans Mikro gelassen?!! Aber sonst wars ja ganz toll wie in den 80zigern der Samstagnachmittags Konferenzschaltung auf NDR2 zu lauschen. Manchmal zeigt Radio schönere Bilder als der Fernseher.

Löbe 2010 aus!

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