Sonnenfreuden

Mir kam der Winter in diesem Jahr unglaublich lange vor und er war äußerst sparsam mit sonnigen Tagen garniert. Umso mehr war das vergangene Wochenende etwa so, wie ein heißes Vollbad nach einer Woche Schneehöhlenbiwak in einer Nordwand – oder so ähnlich.

Wir sind am Samstagmorgen mit den besten Wetteraussichten des Jahres im Gepäck in Richtung den Klippen des Iths gestartet. „Wir“ waren dieses Wochenende nur Isa und meine Wenigkeit. Da ich schon seit Jahren nicht mehr in Lüerdissen war (aus guten Gründen…) und Isa diese schönen Felsen noch nicht kannte, sind wir den Beweis angetreten, dass man am Wochenende in Lüerdissen eine ausgeprägte soziale-, sich nach engem Körper- und Seilkontakt sehnende, masochistische Seite haben muss, um entspannt klettern zu können. Kenner der Szene würden behaupten, dass auch und gerade im Jahr zehn nach Jahrtausendbeginn dieser Beweis völlig unnötig wäre, aber machmal will man ja unbelehrbares Kind sein.

Also standen wir kurz vor 10 Uhr abmarschbereit auf dem Parkplatz in Lüerdissen. Die Anzahl der Autos und Zelte war um diese Zeit noch überschaubar, sodass wir schnell zum Sprint zu Felsen Nummer 2 ansetzen. Das war auch nötig, denn etwa 10 Minuten nachdem wir die Nordwest-Wand des Zwillings „eingenommen“ hatten, kamen schon jede Menge buntbehelmte Seilschaften, stellten aber enttäuscht fest, dass das angestrebte Ziel besetzt war – oder es lag an meinen Füßen… The early bird catches the worm! 🙂

So gegen Mittag waren dann wohl die Plätze bezogen, denn wir konnten uns mit noch anderen drei Seilschaften den Zwilling teilen, was eigentlich ganz entspannt war. Für Lüerdissen@Weekend zumindest. Was sind wir eigentlich geklettert? So richtig viel eigentlich nicht, aber es wollte ja ausgiebig die Sonne auf dem Gipfel nach jedem erfolgreichen Weg genossen werden! Gestartet sind wir mit der NW-Wand, gefolgt von einem sauberen Rotpunkt in „Es lebe der Sport“ und einem verkacktem Onsight im Würfeldach. Das Ding ist ja mal echt das Allerletzte…

Isa in „Es lebe der Sport (7-)“

Da hängt man souverän die ersten zwei Bühler ein ohne Keil nach’m ersten Haken (Danke an Karsten für den Hinweis hinterher! Aua!), klettert das Dach viermal(!) an und jedes Mal nach „Arsch-fast-über-die-Kante-aber-doch-nix-geworden“ wieder sauber ab (Kurt Albert wäre stolz gewesen!) und fliegt dann doch noch beim fünften Versuch ab. Dabei ist das nur eine 6! Naja, vielleicht zeigt mir ja mal irgendwann jemand, wie man das entspannt klettern kann, denn dass das geht, ist wohl sicher! 😉

Nach dem Würfelkraftkrampfakt, sind wir dann noch entspannt die SO-Kante geklettert und haben auf dem Felskopf der Sonne zugeschaut.

Nach abgeschlossenem „Lüerdissen-Wochenendtest“, sind wir – Überraschung! – nicht auf den DAV Zeltplatz gegangen, sondern haben eine Hütte beim Naturfreundehaus Lauenstein bezogen. Wer mal kein Bock auf die Zeltplatzparty hat, der hat mit dem Naturfreundehaus eine echte Alternative. Ab wann oder ob sich der Bock einstellt oder er einem ausgeht ist nicht überliefert… Alter? Gemüt? Stimmung? Holländischkenntnisse? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass man im Naturfreundehaus wirklich total nett und fürsorglich behandelt wird und dass die Hütten stark an Norwegen erinnern. Wir fanden es total klasse! Ich möchte aber den Trubel auf dem DAV Zeltplatz auch nicht für immer missen wollen…

Für Sonntag ereilte uns dann ein Kletterpartnerhilferuf von Peter, dem wir natürlich gerne nachgekommen sind. Ein echten Historiker in der Seilschaft hebt Stimmung und Qualität eines jeden Kletterausflugs enorm, wenn auch man sich ab und zu um den Gesundheitszustand von selbigen etwas sorgen muss. Aber vermutlich sollte man sich einfach an bestimmte Dinge bei Peter gewöhnen, auch wenn es „schwer fällt“ (hihi).

Die kurz ins Auge gefassten kleinen Klippen des Zirkus wurden gegen die Marienauer Klippen in fußmarschnähe des Naturfreundehauses getauscht. Sorry Hans für die Verwirrung. So stand der Sonntag im Zeichen von Phillipsklippen, Hohestein und besonders im Zeichen von viel, viel Sonne, da von dieser den ganzen Tag genug vorhanden war. Was ein Genuss! Genuss waren auch die wirklich schönen, wenn auch schon fast etwas zu gut gemeint eingebohrten Wege. Begonnen haben wir mit der Pfeilerkante an der kleinen Phillipsklippe, gefolgt von der interessanten Verscheidungs- und Kaminkletterei vom „Rachenputzer„. Schnell wurde noch einer der Einstiegsblöcke von „Danke Karsten“ aus der Wand gerissen und demonstriert, dass trotz Klubverbote manchmal Crashpads seine Daseinsberechtigung haben können (aua!), dann aber wurde der genannte Weg erfolgreich geklettert! Nach dieser sportlichen Tat wurden die klassischen Strukturen der Südostwand an der großen Phillipsklippe angesteuert und auch erfolgreich erklommen. Eine wirklich sehr schöne Kletterei in diesem Grad.

Peter in „Danke Karsten (7-)“

Nach diesem Weg ging es dann an den Hohestein, der von allen Mitstreitern erfolgreich über die SW-Wand erklommen wurde. Klettertechnisch auch ein echtes Sahnestückchen, wenn man genug Exen mitnimmt… 😉 Der Hohestein ist ein echter Gipfel und besitzt folglich ein echtes Gipfelbuch in welches sich die Seilschaft artig, gewissenhaft und mit entsprechender, korrekter Notation verewigte. Mein erstes Gipfelbuch im Ith nach all den Jahren!!!

Den Abschluss des Sonntages bildete ein Drei-Seillängen- Weg. Ähh ja?! Einstieg über die Vollkommenheit am Mäuerchen, dann durch blockiges Gelände (2-, frei) rauf zur Lauensteiner Kanzel, um dort dann mit dem verlängerten Boulder „Rattenscharf“ die dritte Länge abzuschließen. 🙂 Wir schoben noch die Schmalseite ein, um den Boulder etwas entspannter von oben eingehängt angehen zu können. Dieser war aber nach einem ersten Versuch schon geklettert. Das ging vor ein paar Jahren nicht so flüssig. Im Vorstieg bleibt es mutig zum dritten Haken – der Block im Rücken droht doch arg mit Kontakt im Flugfalle.

Der Weg zurück durch die Sonne zum Naturfreundehaus, der riesige Salat später in Hildesheim mit zwei Goldstückchen, die standesgemäße, flüssige Versorgung und die entspannte Heimfahrt bilden den perfekten Abschluss für ein (fast) perfektes Wochenende. Scheiß Würfeldach! 🙂

Kniffel aus!

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