Wenn mich zur Zeit jemand fragt, wie es denn im Sommerurlaub in Norwegen so gewesen sei, sich die grinsende Anspielung auf unseren Regensommer im letzten Jahr nicht verkneifend, so antworte ich breiter grinsend, auf die tief gebräunten Arme deutend: ”Es war toll!!! Sonne pur, nur zwei echte Regentage, sind alles geklettert, was wir uns vorgenommen hatten und haben sogar einige Träume erfüllt, die vorher nur leise geäußert wurden!”. Äätsch!
Die Seereise
Begonnen haben diese Zauberdreiwochen – wie immer – mit einer Seereise. Wie immer von Hirtshals in Dänemark nach Kristiansand in Norwegen. Wie immer mit Colorline… halt stop! Dieses Jahr nicht wie immer mit ColorLine, sondern auf Grund selbstverordneter Sparmaßnahmen wegen selbstverschuldetem Spätbuchens mit der Alternative “Fjordline”. Ich bin mit Fjordline schon einmal 2008 gefahren, damals noch “Masterferries” und die hatte diesen genial schnellen Katamaran, der in einer unglaublichen Geschwindigkeit zuerst die Autos auf unglaublich niedrigen Decks, halb gestapelt, halb gequetscht geladen hat und dann selbige in einer ebenso unglaublichen Geschwindigkeit mit einer noch unglaublicheren Heckwelle in 2:15h nach Kristiansand über den Skagerak geschossen hatte. Günstig, schnell, gute Abfahrtszeiten. Norwegenherz, was willst Du mehr. Eigentlich ganz cool.
Dieses Jahr war’s auch ganz cool, zumindest bis etwa 30 Minuten nach dem Ablegen in Hirtshals. “Uncool” wurde es erst, als der Skagerak mit mittlerer Nord-Ost-Dünung diesen badeseetauglichen Katamaran derart in Schaukel- und Rollbewegungen versetzte, dass sich wohl jeder dritter Reisender artig berufen fühlte die Kotztüten zu befüllen. Leider schaffte es wohl etwa jeder zehnte nicht bis in oder an eine Tüte, sodass sich langsam ein süßlich-säuerlicher Geruch zu dem Kaffee- und Hotdogduft über das Aufenthaltsdeck ausbreitete. Zwischenzeitlich zerlegte sich noch ein Regal mit Flaschen von Hochprozentigem im Dutyfree-Shop und mischte in der Geruchsmischung betäubend mit. Später erfuhren wir, dass sich auf der Fahrt am Vortag sogar fünf Autos eine Kaltverformung der Stoßfänger vorne und hinten abgeholt hatten… ahhjaa! Hatte ich eigentlich die Handbremse angezo… jaja, bestimmt!
Ich verzichte zum Schutz des Lesers weitere, einzelne Szenen oder Seekrankheits-Schicksale zu beschreiben – ihr könnt es euch denken.
Wir haben auf jeden Fall die zweieinhalb Stunden ohne Tüteneinsatz überstanden, würden aber übertreiben, wenn wir behaupten, unseren Mägen in dieser Zeit nicht genauer kennengelernt zu haben. Isa O-Ton: “Ich habe zwischenzeitlich gedacht, es wird mir in meinem ganzen Leben nie wieder ‘gut’ werden!”. Zum Glück erfüllte sich diese Befürchtung nicht – auch nicht auf der Rückreise, wenn ich vorgreifen darf. Ach, und das Auto war entgegen der Erwartungen auch noch in der gleichen Form, wie wir es abgestellt hatten.
So fing unser Urlaub an. Frei nach dem Motto es kann nur besser werden!
Der Weg von Kristiansand nach Valle im Setesdal verlief ausgesprochen unspektakulär-, man könnte sagen routiniert ab. Eine wirklich herauszustellende Unregelmäßigkeit war allerdings die warme, helle Sonne, die uns im Tal begrüßte. Wir fuhren im Sommer durch Norwegen und die Sonne schien. Leichte Irritationen waren die Folge. Sollte es dieses Jahr anders werden…? ABWARTEN! Das sehr leckere Hotdog in der Sonne von Evje – und das nach DER Seefahrt – rundete die Anreise ab.
Planungsgemäß wurde am Spätnachmittag die schwarze Hütte in Kallefoss bezogen und der sich bereits im Tal befindlichen Klettergemeinschaft die erfolgreiche Ankunft und den akuten Schlafmangel gemorst. Waren wir doch alles in allem etwa 15 Stunden seit 3 Uhr nachts unterwegs gewesen und hatten vorher kaum geschlafen. Alles weitere also morgen…. zZzzZZzzzz… rrr… rrr….klettern… rrr… rrr……
Anklettern
Am nächsten Morgen zeigte sich das Setesdal von seiner kletterfreundlichsten Seite. Leichte Bewölkung, Sonne, warm, aber nicht zu heiß. Pläne wurde gemacht. Och, etwas klettern gleich am ersten Tag. Ja, kann man doch machen. Zum wieder Eingewöhnen ein paar Längen von Kaa&Co am Kalvehei? Die wollten wie doch dieses Jahr eh machen… Gute Idee! Eben solange, bis wir keine Lust mehr haben. Ergebnis: Erst gegen 17:30 Uhr waren wir wieder unten. Alle 10 Seillängen mit kurzem Rückzug wegen Wasser in unserer Route, dann Querungsvarianten rein in “Smee” und wieder raus in Kaa&Co, Gipfelpicknick und Abseilen. Für den ersten Tag ganz ordentlich. So kann es weitergehen. Abends gab’s brunnert’sche Nudeln mit großem Hallo und viel zu erzählen.

Blick aus Kaa&Co.
Das Wetter am nächsten Tag überzeugte uns, zwang uns förmlich, wieder klettern zu gehen. Der neue Sektor “Skole” am Løefjell war das Ziel. Hier erwarteten uns 20 neue Routen zwischen 20 und 55 Meter Länge in überraschend gut strukturiertem Fels. Leider erwischte ich gleich als erstes, mangels der Fähigkeit lesen zu können (oder Augen im Kopf zu haben), eine steile 5+, E3 Platte anstatt der erwarteten 5-, E2, deren glatte Reibungsschlüsselstelle etwa 2 Meter über der letzten Sicherung zu klettern war. Also genau das, was man so morgens als erstes am Tag gerne macht. Ich war etwas “unglücklich”. Zum Glück waren die weiteren Routen dann freundlicher und so konnte die aufkommende Feindschaft zum Sektor “Skole” noch rechtzeitig im Keim erstickt werden. Insgesamt ist dieser neue Sektor, gerade im rechten Teil eine echte Bereicherung für das Plaisir-Angebot am Løefjell.

Isa und Finn am Ausstieg von Kaa&Co.
Später traf man sich zu Kaffee und Waffel bei Hessel in Brokkestøylen. Dort gibt es jetzt neu echte “Setesdal-Suppe”, selbstgemachte Burger und gute Pommes. Uiuiui…sehr, sehr lecker, aber gefährlich! Abends war Geburtstagsfischgrillen angesagt und bei Bier, Essen und Wein wurden Pläne geschmiedet.
Seit meinem ersten Besuch im Setesdal war ein Traum von mir, einmal “East of Easy” am Løefjell zusammen mit Hans zu klettern. Dieser Traum wurde zwischen Fisch und Bier soweit konkretsiert, als dass wir uns zum Dienstag, also “übermorgen”, zu diesem doch recht anspruchsvollen Unternehmen verabredeten. Dazu muß man wissen, dass diese Route Anfang der Achtziger von Hans clean erschlossen wurde, heute gebohrte Stände und ein paar sehr wenige Zwischenhaken aufweist und als DIE Route im Setesdal gilt. O-Ton Peter: “Geilste Route auf diesem Planeten überhaupt!”
Zehn Seillängen bis in den siebten Grad, sehr oft gar nicht sicherbar, erfordern einen moralisch reifen Vorsteiger, der die Linie genau kennt oder besser weit über den Dingen steht. Da aber Hans sich dem heißen Ende des Seils widmen würde, war ich glücklich wie ein kleines Kind vor Weihnachten, trotz des Wissens, dass in “East of Easy” in der einen oder anderen Länge ein Nachstieg ein “Vorstieg im Nachstieg” bedeutet.
Doch zunächst sollten diese schweren Gedanken auf die Nacht vor dem Dienstag geschoben werden und wir planten in weiser Voraussicht lieber für den Montag einen Ruhetag mit einer Wanderung im Fjell ein. Gesagt getan. Wir begegneten Schafen und Hamstern. Hamstern? Nein, es waren Lemminge, wie wir später erfuhren. Etwa alle 10 Jahre “leidet” das Setesdal unter einer Lemmingplage, so wurde uns erzählt. Dieses Jahr war es wohl mal wieder soweit und so wuselten überall diese “possierlichen Tierchen” in ihrem schicken rotbraun-schwarz gestreiften Fellkleid herum oder lagen als gewalzte Fellpfannkuchen auf den Straßen rum, stets bemüht ihrem Ruf gerecht zu werden. So versuchten sie beim Überqueren der Straße möglichst gleich alle vier Räder eines Autos mitzunehmen oder beim Wandern möglichst direkt unter einen Fuß oder eine Stockspitze zu laufen. Später sahen wir auch einige schwindelfreie Exemplare hoch oben in den Wänden. Tot und lebendig. Lemminge waren dieses Jahr auf jeden Fall überall im Setesdal!

Lemmingplage
Im Fjell erklommen wir zwei Gipfel und genossen Sonne und Aussicht bis zum Abend. Wir waren im Urlaub angekommen. Abends gab es dann bei Hessel in Brokkestøylen das montagliche “Klettercafé” mit Grill, Bier, Historischem und Literatur. Nach dem zweiten Bier machte mich Peter mit gerunzelter Stirn auf die morgigen Pläne aufmerksam und den Umstand, dass ich besser “fit” sein möge. Was meinte er nur?
East of Easy
Am nächsten Morgen gegen 10:30 Uhr standen Hans und ich am Einstieg zu “East of Easy”, um festzustellen, dass wir nicht nur einen Chalkbag vergessen hatten, sondern gleich noch den passenden Gurt dazu. Die “Logistik” im Tal wurde alarmiert und Hans schaute sich den Zustieg nochmal genauer an. Ich wartete im Schatten und studierte die Linie in der Wand über mir. Mit einer Stunde Verspätung stiegen wir schließlich ein. Morgens war ich nuch kurz bei Peter gewesen, der mich mit den Worten verabschiedete: “Viel Spaß!! Das ist ein super Ding, aber sei schön konzentriert in der Querung in der 4ten Länge!”. Mit soetwas wie “… es erwartet Dich die beste Kletterei überhaupt…” wäre mir mehr geholfen gewesen. Ich sorgte mich etwas, war aber auf jeden Fall konzentiert. Ziemlich genau 10 Seillängen hoch und wieder runter!
Die ersten beiden Längen liefen. Plattig, Reibung, einen “interessanten” Keil auf 100 Meter, aber recht leicht. Von der dritten Länge, welche steilere Reibungspassagen präsentierte, sollte ich einen, wie ich finde, legendären Spruch von Hans für den Rest der Zeit in Norwegen im Ohr behalten. Fortan hörte ich jedes Mal, wenn ich im Vorstieg auf steiler Reibung stand und unsicher in meine Schuhsolen “horchte” in meinem inneren Ohr:
“Los! Hinstellen, hält schon!!”
Hans sollte Recht behalten und nicht nur in der dritten Länge von “East of Easy”. Die vierte Länge präsentierte sich mit ihrer 30 Meter Querung und nur einem Bolt in der Mitte als moralische Herausforderung. Hans legte zwei Friends vor der Querung und nochmal zwei Keile danach. Es blieb in der Mitte der Haken als Fixpunkt für das Nachsteigerpendel Finn. Sorgsam verfolgte ich die feine Linie, die Hans durch die zu querende Wand kletterte. Gleich würde das Seil für den Nachsteiger nur noch die grobe Himmelsrichtung angeben. Im Nachstieg sorgte das Rausnehmen der zwei Friends bei mir dann schon für “Konzentration”, aber die anschließende Querung schräg links hoch im oberen sechsten Grad war wohl so ziemlich das geilste, was ich bisher überhaupt so geklettert bin. Ich würde am Stand zu Hans sagen: “Als ob jemand diesen Fels für uns Kletterer geformt hätte!!!”. Ich habe es nicht nur nach der vierten Länge gesagt.
Die siebte Länge erwartete uns mit einer Piazverscheidung mit einem 1-Fingergliedriss, ergänzt durch eine überhängende Verscheidung deren Ausstiegshenkel zwar sehr gut ist, aber auch erstmal erreicht werden will. Dazwischen eine Querung, deren Schlüsselstelle bei mir in der Pulsberuhigung nach der ersten Verschneidung lag. “Biathlon als Vorbereitung zum alpinen Klettern?” schoss es mir durch den Kopf, als ich da nach der ersten Verscheidung stand, schnaufend wie eine Dampflok im Bahnhof .
Insgesamt ist diese Schlüssellänge im siebten UIAA Grad angesiedelt, aber als Nachsteiger, dank dem geraden Routenverlauf an den zwei schweren Stellen, weniger moralisch – dafür kräftig. Hans konnte fluchend, aber eindrucksvoll beweisen, dass sich die Länge auch ohne das “kleine Set” Keile klettern lässt. War dieses doch das Dritte neben Chalkbag und Gurt, was wir vergessen hatten. Von Nachahmung wird dringend abgeraten…

Hans und Finn in East of Easy.
Von den oberen drei Längen habe ich nur noch wenig Erinnerung. Vermutlich hat das Adrenalin ganze Arbeit geleistet. Allerdings war “das Fenster” in der neunten Länge eine weitere geniale Kletterstelle, die angereichert von Hans Geschichten um die Erstbegehung, mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Danke Hans – ach, ich wollt’ es ja nicht mehr sagen!
Abends gab’s dann Essen am Biberfluß mit leckeren Dingen für den Grill und für den Kopf. Außerdem präsentierte Einar seinen norwegischen Survival-Militär-Schlaf-Zelt-Sack! Sehr praktisch und man kann zu vorgeschritterner Stunde viel Spaß damit haben.
Für den nächsten Tag war das Wetter unklar und so verabredeten wir uns mit Janis bei guten Wetter für etwas “moderne Schatzsuche” mit GPS und Wandereinlagen und falls das Wetter schlecht sein sollte, so würde wir auch gehen -so oder so ähnlich muß es gewesen sein. Auf jeden Fall konnten am folgenden Tag dann immerhin vier wertvolle Schätze gefunden werden. Der fünfte sollte uns auch mit 6 Augen verborgen bleiben. Wir waren trotzdem mit diesem willkommenen Ruhetag und dessen Ausbeute sehr zufrieden, sodass wir entspannt den Abend ausklingen ließen, denn für den nächsten Morgen war ich mit Peter zum ersten Angriff in der “Monsterwand” am Kalvehei verabredet.
Peters Plan war links der viele Platten von der existierenden, historischen Route “Breitmacher” eine neue Linie durch den strukturierteren Teil der Wand zu eröffnen. Zwei Stellen waren dabei in der Wand(foto)studie besonders aufgefallen. Ein schlecht einzuschätzener Felsentrichter im unteren Teil zwischen zwei Wasserstreifen und schon recht weit oben einen plattigen Dachriegel, der eine Andeutung von Riss hatte. Ob dieser zum Überwinden wohl reichen würden…
Der Feind in der Monsterwand
Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr *gäääähhn* war Aufbruch. Vor Peters Hütte stand ein säuberlich gepackter Rucksack. Auf einem Haufen daneben lag ein Halbseil, ein paar Sandalen, eine Regenjacke, eine halbe Tafel Schokolade, eine Flasche Wasser und ein nicht ganz leichter Sack mit Standringen und ein weiterer mit Zwischenhaken, sowie fünf Akkus für unsere gute, grüne Hitachi . “Das mußt DU dann noch einstecken…” war seine grinsende Ansage. Ich stopfe den Kram zu meinen eigenen Sachen in den Rucksack und band das Seil noch oben drauf. Der erste, kurze Gewichtstest bestätigte meine Vermutung. Deutlich an die 20kg. Das wird ja lustig.
Naja, das Seil würde ja wegfallen, das Wasser irgendwann weniger, die leeren Akkus leichter(!), alle 60m ein Standring weniger und mit “Glück” würden wir ja an jedem Stand ein paar Zwischenhaken zurücklassen, welche wir dann im Abstieg noch nachträglich setzen würden – so versuchte mich Peter zu beruhigen. “Mit Glück” deswegen, da die Wege an der Monsterwand eher, sagen wir mal, “optimal” einbebohrt sind. Also nur da ein Haken steckt, wo auch wirklich einer gebraucht wird. Der Breitmacher hat sogar auf über 700m nur einen einzigen Haken. Also sah ich unseren Rucksack – ab hier nur noch “DER FEIND” genannt, nur sehr langsam leichter werden.
Um 9:15 Uhr standen wir drei fertig eingebunden am Einsteig. Das heißt Peter und ich standen. Der Feind lag wie ein Käfer auf dem Rücken am Boden, als wolle er sagen “Heb mich auf! Trag mich da hoch!”. Ich dachte kurz, er sieht aus wie ein riesige, pralle, knall-rote Made die gleich platzen würde. Sehr unsympathisch!
Peter war inzwischen am freien Seil die ersten 40 Meter geklettert und stand vor einem 3m Steilaufschwung. Man sah förmlich die Gedankenblase über seinem Kopf, wie Engelchen und Teufelchen einen kurzen “Hakenkrieg” ausfochten. Das Engelchen gewann und Peter kletterte weiter ohne einen Haken zu setzen bis ich von unten vermeldete, dass er nun mangels übrigen Seil doch mal Stand machen sollte. Ein paar Minuten später wurde ich zum Nachkommen beordert. Ich zog die Schuhe an und wollte schon losklettern, da sah ich noch etwas Rotes im Augenwinkel. Ach scheii… “der Feind” muss ja auch noch mit. Mit einem lässigen Schwung schulterte ich die Zuladung und kippte erstmal um haaresbreite von dem Felsplateau, auf wir den Start der Route vorgesehen hatten. Das wäre ein Bild gewesen. Wie ein Käfer auf dem Rücken die Platte ab in den Wald gerutscht… Ein paar Minuten später kam ich schnaufend am Stand bei Peter an. “Und? Geile erste Länge mit den Steilaufschwüngen was??!!” Ich brachte erstmal kein Wort raus und deute nur keuchend auf “den Feind”. “Nimm mal ab! Bitte!” Als nächstes war es dann an Peter fast um seine Standschlinge zu pendeln, als er mir versuchte “den Feind” abzunehmen. “Der wird jetzt schon leichter! Was meinste, 3 Zwischenhaken auf der Länge?”. Ich war für 27 Stück und 6 Ringe am Stand.
Am Beginn der 4te Länge.
Wir arbeiteten uns weiter hoch. Am Ende der dritten Länge machten wir Stand direkt unter dem besagten “Felskessel”. Die Wand zwischen den Wasserstreifen war eine fast senkrechte, strukturlose Platte. Da geht’s nicht hoch. Das war schnell klar. Allerdings zog am rechten Ende des Kessels ein deutlicher Riss in eine kleine Verschneidung deren wulstigen Ausstieg eigentlich machbar aussah.
Peter setzte den “Nun-wird’s-das-erste-Mal-ernst-Blick” auf und querte auf den flachen Platten Richtung Riss. “Sollte machbar sein!” sein Kommentar unter der Verschneidung stehend. Einen Zwischenhaken und einmal gut Zupacken und “hochgemantelt” später stand Peter über der Verschneidung. “Super Kletterstelle!” wurde 30 Meter über mir reportet. Mein Blick fiel auf “den Feind”, wie er da hängend am Ring zerrte. Ja sicher – super Kletterstelle…
Es folgten noch drei weitere Längen bis uns der visuelle und gefühlte Wetterbericht überzeugt hatte. Der anhaltende Nieselregen und der feuchte Talblick ließ uns umkehren, aber nicht ohne einige, kritische und neugierige Blicke nach oben zu richten. Noch etwa eine Länge und wir wären unter dem Dachriegel, der aber auch nun vom siebten Stand aus nicht viel besser einzuschätzen war. Auf jeden Fall war die Wand direkt unter dem Dach fast senkrecht und nur der Riss würde uns in der Querung am Dach vorbei wirklich helfen. Aber ist der Riss auch offen?
[...]